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Okt 28 2013

Fantasie und Einhörner

In meiner Kleinkindzeit gehörten Bücher wie „Struwwelpeter“, „Struwwelliese“ und „Max und Moritz“, sowie die Filme „Heidi“, „Die Schlümpfe“ und „Tom & Jerry“ dazu. Haben mich diese Bücher und Filme geprägt? Mit Sicherheit. Allerdings kann ich nicht genau sagen welches/welcher wie und wozu.

Aber an EINEN Film, der mich nachhaltig geprägt hat, kann ich mich noch so genau erinnern, als wäre es gestern gewesen.

Ich war 8 Jahre alt, mein Onkel arbeitete in einer Videothek und sicherte uns einen Zeichentrickfilm, der neu erschienen und wochenlang ausgebucht war. Am nächsten Nachmittag war es dann soweit. Ich saß vor dem Fernseher… und weinte vor unbestimmtem Glücksgefühl, da dieser Film so magisch und zauberhaft war.

Das letzte Einhorn

Ich hatte damals noch nicht alles verstanden, es war zu unbekannt und fantastisch. Dieses wunderbare Wesen hat mich so sehr in den Bann gezogen, dass ich seit diesem Zeitpunkt mit dem Fantasievirus infiziert war. Tagelang lief ich wie in Trance durch mein noch junges Leben, fühlte, dass etwas wundervolles mit mir geschehen war, was ich aber nicht benennen und einordnen konnte.

Ich ließ es einfach geschehen.

Einhörner tanzten vor meinem inneren Auge, ein Sehnen in meinem Herz ließ mich das Essen vergessen – ich war verzaubert! Überall erblickte ich auf einmal Einhörner und kaufte mir sogar eines aus Plüsch von meinem tapfer zusammengesparten Taschengeld (es existiert immer noch!).

Meine Fantasie war erwacht und schlief seit diesem Zeitpunkt nicht mehr. Sehr zum Leidwesen meiner Lehrer: Meine Aufsätze in der Schule wurden immer länger und fantastischer, mehr als einmal prangte der große, rote Buchstabe A am Rand meiner Erzählungen.

Aber es war mir alles egal. Ich stibitzte aus unserer Schublade immer wieder Hefte, die ich eigentlich für die Schule bekommen hatte und schrieb und schrieb. Am Anfang lediglich Notizen, was mir so durch den Kopf ging. Später kleinere Geschichten, die ich mir vorher in stundenlangen Tagträumen ausgedacht hatte. Manchmal waren meine Gedanken und mein Kopfkino so verwegen, dass ich mich nicht ganz traute aufzuschreiben, was mein kindliches Hirn zusammenspann, aus Angst, jemand könnte es lesen und mich dafür kritisieren – dieses Problem löste ich, indem ich mir ein abschließbares Tagebuch besorgte. Von da an gab es kein Halten mehr – alles, Tagträume, Träume, Wünsche, Sehnsüchte, flossen von meinem Kopf durch meine Hand auf das Papier. Ich hatte die Magie der Wörter entdeckt.

Den Film „Das letzte Einhorn“ habe ich seitdem unzählige Male gesehen und mich von seiner wertvollen Energie wieder und wieder anstecken lassen.

Ich danke den wunderbaren Künstlern, die mir das Tor zu einer zauberhaften, magischen Welt weit geöffnet haben. Ich danke für die wundervolle Fantasie, die die Einhörner in mir geweckt haben.

Bianca Wörter

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