↑ Zurück zu Wandlerin

Leseprobe „Wandlerin zwischen den Welten – Weltträumerin I“

Wandlerin zwischen den WeltenLeseprobe „Wandlerin zwischen den Welten – Weltträumerin I“

Kapitel 23

Die vergangenen Stunden hatten ihren Tribut gefordert – ich schlief tief und traumlos.

Als ich unsanft aus dem Schlaf gerissen wurde, hob ich orientierungslos den Kopf.

Wo war ich? Träumte ich? Immer noch?

Plötzlich fiel mir alles im Bruchteil einer Sekunde wieder ein und Angst schlich sich in meine Eingeweide, die ich als bittere Galle auf meiner Zunge schmeckte. Vor mir ragten zwei Soldaten und befahlen mir aufzustehen. Ich gehorchte und während mir die Arme wieder auf den Rücken gefesselt wurden, machte ich mir Gedanken. Jetzt musste von Seiten meiner Freunde etwas geschehen – oder nie wieder!

Vor meinem Schlaf war noch alles in weiter Ferne gewesen, jetzt war die Gefahr in unmittelbarer Nähe! Und ich konnte nichts mehr tun.

Ich musste mich ergeben die Steinstufen herunter schleppen lassen. Als wir unter dem Torbogen ins Freie traten, stach mir die Sonne schmerzhaft in die Augen und die Hitze überfiel mich derart, dass ich fast blind zusammen gebrochen wäre, wenn mich die Soldaten nicht grob an meinen Oberarmen gehalten hätten. Sie zerrten mich weiter voran und ich stolperte so gut ich konnte mit. Meine Augen gewöhnten sich langsam an die neuen Lichtverhältnisse, ich blinzelte der Sonne entgegen und schätzte, dass sie ihren höchsten Stand erreicht hatte.

Der Platz um die Holzplattform war umringt von hunderten Somanern, die auf ein brutales Schauspiel harrten. Meine Hoffnung sank gegen Null, denn in einer solchen Menge konnte ich keinen einzigen meiner Freunde ausmachen, wenn sie sich je nochmals hierher trauen sollten. Erstaunt spürte ich, wie eine Woge von Zorn und Mitleid von der Menge ausging.

Ja, sie hatten alle Mitleid mit mir und wünschten mir im Stillen einen schnellen, quallosen Tod. Doch insgeheim dankten sie dafür, dass es niemand ihrer Lieben war, der dort oben den Tod finden sollte – ich konnte es ihnen nicht verdenken. Ich las die Gefühle der Somaner wie Gedanken und Angst packte mich mit ihren gierigen Krallen, sodass ich mich gegen die Soldaten und die Fesseln zu wehren begann. Ich riss meinen Körper mit zusammen gebissenen Zähnen hin und her, keuchte vor Schmerz, als mir die Fesseln noch tiefer in mein Fleisch an den Handgelenken einschnitten und die Soldaten meine Befreiungsversuche erfolgreich unterbanden, mir dabei fast die Arme brachen. Ich war zu schwach, aber ich wollte einfach nicht aufgeben. Ich wollte um mein Leben kämpfen, das noch ganz neu auf Soma war!

Die Somaner beobachteten mein letztes Aufbäumen, ein Raunen ging durch die Menge – sie begann zu toben. Wüste Beschimpfungen gegen Parim erreichten mein Ohr, konnten mir aber keine Linderung verschaffen. Das Gebrummel und einige Aufschreie, wie „Stürzt den König“, wurde immer größer. Nur hier, in der Menge konnte sich die Bevölkerung Luft über ihren Missstand machen. Es war ein geschickter Schachzug von Parim, immer wieder öffentliche Hinrichtungen durchzuführen, denn in der Menge fühlten sich die Somaner sicher und konnten ihren Unmut laut äußern – keine Einzelperson wurde ausgemacht und hielt die Bevölkerung für weitere Wochen, vielleicht Monate im Zaum – bis zur nächsten Hinrichtung.

Doch es war auch ein Spiel mit dem Feuer, denn einmal, ein einziges Mal genügte, da würde der Bogen überspannt werden – dann wäre Parim verloren.

Noch war es nicht soweit.

Ich wurde auf die Plattform gezerrt und wehrte mich immer noch heftig, ungeachtet der Schmerzen, die mir Fesseln und Soldaten zufügten. Beinahe wäre es mir gelungen, einen Soldaten aus dem Gleichgewicht zu bringen, die Menge begann zu toben und zu jubeln, doch der Soldat fing sich wieder und als hätte Parim auf diesen Augenblick gewartet, tauchte er auf der anderen Seite der Plattform auf und die Menge verstummte augenblicklich.

Die Angst vor Parim war größer, als mein Elend sie dauerte.

Ich hörte auf mich zu wehren und starrte Parim erstaunt an, wie er sich elegant auf mich zubewegte. Ich hatte immer gedacht, dass die Herrscher die Hinrichtungen aus sicherer Entfernung beobachten würden – besonders Parim, der in jedem Moment ein Attentat befürchten musste.

Hier stand ich also meinem Scharfrichter persönlich gegenüber.

Er hatte mir vor Stunden versprochen, dass er sich an meiner Angst weiden würde, aber dass er dies so meinen würde, hatte ich nicht erwartet. Er erschien im Tageslicht ganz anders, als in seinem schummrigen Gemach: eine große, herrschaftliche Gestalt, die in einem königsroten Gewand gekleidet war, das perfekt im Gegensatz zu seinem schwarzen Haar leuchtete. Sein Haar war gerade so lang, dass es ihm leicht über die Schultern hing und seine Haut war braun gebrannt, was mir in dem dämmrigen Licht gar nicht aufgefallen war. Ich wollte nicht glauben, dass ein so gut aussehender Mann so grausam sein konnte! Doch seine schwarzen Augen versprühten die Grausamkeit, die in seiner Seele herrschte, sodass sein Aussehen mich nicht täuschen konnte.

Der zweite Schock traf mich härter, als der, Parim hier zu sehen: Rason betrat, gekleidet wie sein Vater, die Plattform!

„Rason!“, rief ich zornig.

Seine Augen suchten die meinen und er besaß die Unverschämtheit überheblich zu lächeln! Er flüsterte seinem Vater etwas zu, dieser nickte und er schlenderte gemütlich zu mir. Die Menge hielt den Atem an.

Ich auch.

„Alena! Ich hätte nie gedacht, dass ich dich so schnell wieder sehen würde.“

Meine Angst wurde von Wut verdrängt: „Ich dachte auch nicht, dass ich den Verräter jemals wieder sehen würde, der seine Freunde umbringen lassen würde. Du hast uns nur ausgenutzt. Schade, dass Yyro’ha und Dar’sal wieder frei sind. Diesen Triumph kannst du nicht genießen.“

Rason lachte kalt: „Wir haben dich. Von den beiden droht uns keine Gefahr. Es wäre aber sehr gut möglich, dass du uns gefährlich werden könntest. Ich hätte nie gedacht, dass ich ausgerechnet durch dich in meine Heimat zurück kehren könnte. Schade. Ich hätte dich auf der Erde gern behalten, aber du musstest dich einmischen und hierher kommen. Hier gelten andere Gesetze – hier bist du eine Gefahr, die wir beseitigen müssen.“

Ich kochte innerlich, wehrte mich wieder gegen Soldaten und Fesseln, aber da meinem Drang, Rason zu treten, nicht nachgeben konnte, weil er zu weit weg von mir stand, tat ich etwas, was ich noch nie getan und bisher immer verachtet hatte, was mir in diesem speziellen Fall aber ein wenig Genugtuung bereitete: Ich spuckte ihm direkt ins Gesicht!

Rason unternahm nicht einmal den Versuch sich über das Gesicht zu wischen, als hätte er diese Reaktion erwartet und enttäuscht gewesen wäre, wenn ich es nicht getan hätte. Er lachte, trat aufreizend langsam ganz nah an mich heran und schlug mir mit voller Wucht ins Gesicht, sodass ich rückwärts gegen die Soldaten geschleudert wurde.

Die Menge hatte wie aus einer Kehle aufgeschrien und hielt danach ängstlich den Atem an.

Rasons Ring hatte auf meiner linken Wange eine tiefe, blutige Spur hinterlassen. Das Blut lief mir die Wange herab und die Haut meiner Wange brannte, das Fleisch darunter begann anzuschwellen. Ich fühlte die Schmerzen wie durch einen leichten Nebel – es machte mir nichts aus.

Meine Angst wurde von Wut, Rachegedanken und Scham überlagert. Ich blickte Rason tapfer in die Augen, bis dieser den Blick als erster abwandte. Ich hatte einen kleinen Sieg errungen, denn die Überraschung in Rasons Augen, bevor er seinen Blick senkte, war ein Trost für mich, der in mir den Wunsch weckte, dass ich in Würde sterben wollte.

Die Soldaten zerrten mich zu dem Holzpfahl in der Mitte des Podestes, banden mich mit einem langen Seil um die Hüfte daran, und ich hörte, dass die ganze Zeit die Menge um uns herum protestierte.

Parim ließ sie gewähren – er war trotz seiner Boshaftigkeit ein kluger Mann. Hätte er seinem Volk befohlen zu schweigen, hätte es zu einem spontanen Aufstand kommen, den er nur schwer, wenn überhaupt, hätte eindämmen können. Ich stand gefesselt da, konnte mich kaum rühren und ließ meinen Blick in der Menge um mich herum schweifen. Kein bekanntes Gesicht war weit und breit zu sehen. Wo waren meine Freunde? Hatten sie überhaupt erfahren, dass ich an diesem Tag schon des Todes sein sollte? Dessen war ich mir sicher, sonst wären nicht so viele Somaner zu dieser Zeit an diesem Ort gewesen. Konnten mir meine Freunde überhaupt helfen? Sie hatten kaum Zeit gehabt meine Befreiung zu planen! Wenigstens könnten sie sich still von mir verabschieden, indem sie hier sein und mir mit ihrer Anwesenheit Trost spenden würden.

Parim trat ruhig vor mich und sprach mit lauter, wohlklingender Stimme zu seinem Volk: „Liebe Somaner. Ich weiß, dass wir nicht immer einer Meinung sind, aber in diesem Falle rechne ich mit eurer Zustimmung. Seht diese Frau hier, die heute zum Tode verurteilt ist. Sie ist von der Erde und wollte unsere Geheimnisse und Schätze mit auf ihren Planeten nehmen. Bald wäre unser schönes Soma von Menschen übervölkert gewesen. Sie hätten euch Arbeit, Lohn und euer tägliches Brot genommen. Um ein Exempel zu statuieren muss ich diese Frau töten. Dies ist unsere Welt! Soma gehört euch! Ich lasse es nicht zu, dass Fremde euer Land wegnehmen. Es tut mir leid um diese arme Frau, doch ich sehe keinen anderen Weg. Sie hätte unsere Welt verraten, vielleicht unwissentlich, doch schon unsere Urväter handelten so wie ich. Wir können es nicht zulassen, dass uns die Menschen Soma wegnehmen. Nie! Dies ist unsere Welt! Unser Soma!“

Parims Gestalt vollführte eine verblüffende Verwandlung während seiner unsinnigen Rede – er erschien immer größer, freundlicher, gönnerhafter – ganz wie der gütige, tugendhafte König aus jedem Märchen. Ich spürte in seiner Aura einen Strom, der mich schwach an Elektrizität erinnerte. Er setzte seine Magie ein, der die Zuhörer davon überzeugte, dass er die Wahrheit sprach. Die Menge hatte keine Chance sich dagegen zu wehren. Sie begannen Parim zuzujubeln, sahen in ihrem Herrscher denjenigen, der nur das Beste für sein geliebtes Volk wollte.

Parim hatte mich unterschätzt – das würde ihm noch leid tun! Ich spürte die Magie, die von Parim ausging, in meinen Adern. Die Magie musste ungeheuer stark sein, damit er alle Somaner erreichen konnte. Ich ließ meine Magie auf seine zutreiben, flocht mich unauffällig ein, begann aber sanft die Richtung umzukehren. Parim wurde klein und kleiner, er wurde hässlich, ich bog das Bild über die Wirklichkeit hinaus und ließ die Menge in ihrem Kopf einen gierigen, verkrüppelten Herrscher sehen, an dessen Händen Blut klebte und der jedes Wort, das aus seinem Mund kam, ausspuckte, weil er sonst an seinen Lügen erstickt wäre. Ich ließ die Somaner einen alten König sehen, der seine Burg nur durch die Arbeit seines Volkes errichtet hatte, der sie bis zum letzten Blutstropfen auspresste und hasste wie die Pest. Das zustimmende Gejubel und die Beschimpfungen gegen mich wurden langsam schwächer, verstummten – schließlich jubelten sie mir zu und verwünschten Parim, den unbarmherzigen Herrscher.

Parim erbleichte und ich entdeckte Schweißperlen auf seiner Stirn, als er bemerkte, was ich getan hatte, doch er hatte keine Chance mehr die Magie, die ich umgekehrt hatte, wieder unter Kontrolle zu bekommen. Er drehte sich wutschäumend zu mir um – sein Hass auf mich, aber auch seine unverhohlene Bewunderung meiner Kräfte war mein schönstes Requiem. Die magische Energie um Parim wurde schwächer und ich zog meine Kräfte aus dem Strom zurück. Sofort versiegte die Magie um ihn, und er erschien wieder als der Parim, der er war.

Parim drehte sich zu der tobenden Menge um, brachte sie mit einer herrischen Geste zum Schweigen und grollte: „Ihr könnt gerne das Schicksal mit dieser Frau teilen. Mein Drache freut sich über jedes Opfer – er hat schon lange nichts mehr gefressen!“

Parim warf mir einen Blick zu, wollte sich an meiner Angst weiden, aber er wurde herb enttäuscht. Ich hörte nur das Wort „Drache“ und innerlich brannte ich vor Vorfreude. Ich würde einen Drachen sehen! Auf der Erde hatte ich Drachen geliebt. Doch auf der Erde war er ein Fantasieprodukt, ein Fabelwesen. Hier existierten die Drachen wirklich! Und ich würde einen, kurz vor meinem Tode, sehen! Ich war verrückt vor Angst, doch ich sehnte den Augenblick herbei. Ich hielt Parims Blick stand und lächelte.

„Dir wird das Lachen schon noch vergehen!“, fauchte er böse.

Ich schluckte schwer.

Von dem Holzpfahl losgebunden wurde ich von zwei Soldaten von der Plattform herunter eskortiert. Parim folgte uns mit wenigen Schritten Abstand.

Plötzlich erfüllte ein eigenartiges Summen meinen Kopf. Ich wehrte mich zuerst dagegen, dann spürte ich, dass dieses Summen die charakteristischen Gefühle von Dar’sal waren.

Ich sperrte mich nicht mehr dagegen und war überrascht, als ich eine Stimme, Dar’sals Stimme, IN meinem Kopf hörte: ‚Alena! Wir lassen dich nicht alleine. Wir wollten dich gerade befreien. Wir waren schon bereit die Plattform zu stürmen, als sie dich abführten. Erkläre mir, wohin sie dich bringen!‘

Ich war aufgeregt. Ich stand mit Dar’sal in telepathischer Verbindung! Ich wusste nicht, dass dies auf Soma möglich war, dann fiel mir ein, dass Dar’sal kein reiner Mensch war.

‚Dar’sal! Ich versuche euch zu erklären, wohin sie mich führen. Es ist schön, dass ihr unversehrt seid‘, dachte ich die Antwort und hoffte, dass sie ihn erreichte.

Doch die Verbindung brach ab. Wir waren schon im Inneren der Burg angelangt und schritten einen gewundenen Gang entlang, der immer tiefer führte. Fackeln brannten im Abstand von zehn Metern an den Wänden, abwechselnd rechts und links – der Gang erschien in einem unwirklichem Licht. Mein Atem und der der Soldaten waren die einzigen Geräusche, die die Grabesstille um uns herum unterbrachen. Gänsehaut überzog meinen Körper, da die Luft um uns herum immer weiter abkühlte. Ab einem bestimmten Punkt begann die Temperatur in dem Gang wieder zu ansteigen. Es wurde wärmer und feuchter, bis mir eine tropische Schwüle fast den Atem raubte.

Ich keuchte und bat um eine Pause, doch die wurde mir nicht gewährt. Parim setzte sich an mir vorbei an die Spitze, hinter mir folgte Rason mit einer Gruppe von zehn schwer bewaffneten Soldaten. Ich hatte kaum Gelegenheit nachzudenken, so verzweifelt bemühte ich mich mit dem Trupp Schritt zu halten, da jede Verzögerung, die ich zu verursachen versuchte, mit einem Schlag auf meinen Rücken geahndet wurde.

Ich war dermaßen geschwächt, dass ich nur noch stolperte. Trotzdem versuchte ich immer wieder Dar’sal zu erreichen – es gelang mir nicht.

Ich war zu ungeübt in dieser Technik und ahnte, dass die Umgebung meine Versuche zusätzlich behinderte. Meine Hoffnung auf Rettung sank wieder, obwohl ich einen Lichtblick erhalten hatte, als Dar’sal mir bestätigte, dass meine Freunde mich nicht im Stich lassen wollten.

Vor mir begann sich der Gang zu weiten und die Luft darin ließ sich leichter atmen. In der vor uns ragenden Höhle blieben wir kurz stehen – ich staunte über die Ausmaße. Unzählige Fackeln brannten und tauchten die Umgebung in bizarre Schatten und Schemen, die träge tanzten.

Ich ahnte, dass dies das Ende meiner Reise war. Ein letztes Mal legte ich in meine Gedanken an Dar‘sal meine Gefühle von Angst und Verzweiflung und damit hatte ich endlich Erfolg. Als Antwort kam eine Welle seiner Präsenz, vermischt mit den Gefühlen von Xamor, Semmin und Yyro’ha.

Ich war getröstet.

Meine Freunde waren bei mir – nicht körperlich, doch sehr viel näher als je ein Mensch mir zuvor nahe gewesen war.

Parim bewegte sich wieder und stellte sich auf einen Podest, der von einer bizarren Felskonstruktion umgeben war, die sich halbmondförmig darüber wölbte. Die Ketten, die rechts und links von innen herunter hingen, überzeugten mich letztendlich, dass meine Reise hier wirklich zu Ende war: Dies war der Opferplatz. Ich wurde unter den Felshalbmond gezogen, meine Fesseln wurden gelöst und durch die im Felsen verankerten Ketten ersetzt. Als beide Eisenringe um meine Handgelenke zuschnappten, senkte ich mutlos den Kopf.

Auf einen Wink Parims hin verließen die Soldaten und Rason die Opferstätte.

Parim baute sich breitbeinig vor mir auf: „Nun darf ich mich doch noch an deiner Angst weiden. Ich wusste, dass dir der Drache in der dunklen Höhle mehr Angst bereiten würde, als ein Tod im hellen Tageslicht. Ich darf dich beruhigen – den Todeskampf mit dem Drachen lass ich dich ganz allein ausfechten. Ich habe ihn hungrig und wütend gehalten, all die Jahre, um meinen Feinden einen schönen Tod zu bereiten. Er wird so ungehalten sein, dass er sogar auf mich losgehen würde.“

Ich verneigte meinen Kopf vor ihm, so gut dies in den Ketten ging, die meine Arme hoch über meinem Kopf hielten, und säuselte lakonisch: „Oh, ich danke dir untertänigst. Aber ich würde mein Schicksal gerne mit dir teilen. Es würde mich brennend interessieren, wer von uns beiden zuerst schreit!“

Ich grinste Parim breit an und begann mich wieder stark zu fühlen. Parim stand der Ärger im Gesicht geschrieben, ich brauchte ihm gar nicht in die Augen zu sehen, um zu wissen, wie gern er mich geschlagen hätte. Doch dazu ließ er sich nicht herab – er hatte sich besser unter der Kontrolle als sein Sohn.

„Du wirst mich noch anflehen, dass ich dir einen schnellen Tod gewähre, nur leider werde ich es dann nicht mehr hören. Du wirst ins Leere flehen.“

Er drehte sich wütend um, lief ein paar Schritte hin und her, blieb vor mir stehen und fauchte mit wildem Ausdruck in den Augen: „Du hast mir den Auftritt, den ich für dich geplant hatte, gewaltig verdorben! Ich hätte dich bis zum Sonnenuntergang oben angebunden gelassen. Du hättest dir die Beschimpfungen der Somaner gefallen lassen müssen. Bei Beschimpfungen wäre es aber nicht geblieben. Erst hätten sie dich mit faulem Obst beworfen, dann hätten sie dich angespuckt, zum Schluss hätten sie dich mit Steinen beworfen.“

Innerlich zerbrach etwas in mir. War ich ein Idiot gewesen! Wenn ich nicht so voreilig gewesen, wenn ich nicht so stolz und dumm gewesen wäre, dann hätten mich meine Freunde noch retten können! Sie waren in der Menge versteckt und kurz davor gewesen mich zu befreien! Doch nun wussten sie gar nicht, wo ich mich befand, würden mich nie rechtzeitig finden! Ich hatte meine letzte Chance unwissentlich verspielt.

Ich war verloren – endgültig.

Als ob mir erst in diesem Moment wirklich bewusst wurde, dass ich kurz vor dem Ende meines Lebens stand, weil ich wahrhaftig auf Soma war, begann ich an den Ketten zu reißen und bot Parim doch noch das erhoffte Angstschauspiel.

Dieser warf den Kopf zurück und lachte laut auf.

Das Lachen schallte in tausendfachem Echo in der Höhle hin und her, doch es wurde übertönt von einem anderen Geräusch, das sich zuerst im Hintergrund zu bilden begann und schließlich an mein Ohr drang: ein tiefes, lang gezogenes Grollen. Gänsehaut überzog meine Arme und Beine, mein Magen krampfte sich zusammen, meine Knie wurden so weich, dass ich nicht mehr stehen konnte und hilflos in meinen Ketten hing. Nur mein Wille, dass ich nicht vor Parim in Panik ausbrechen wollte und ihn somit weiter belustigen würde, hielt mich davon ab zu schreien. Parim lachte noch lauter, als er meine Bemühungen erkannte und das Grollen antwortete ihm.

Hat Ihnen die Leseprobe gefallen?

Fiebern Sie mit Alena für fantastische 3,99 Euro weiter mit:

http://www.amazon.de/dp/B00EWO7M8S
http://www.neobooks.com/werk/25831-wandlerin-zwischen-den-welten.html
http://www.weltbild.de/3/18407414-1/ebook/wandlerin-zwischen-den-welten.html
http://www.thalia.de/shop/tha_homestartseite/suchartikel/wandlerin_zwischen_den_welten/bianca_woerter/ISBN3-8476-5460-8/ID37067952.html;jsessionid=8F8C32EAACB2673EEB3725EF6C5BDF14.tc4pc?fftrk=1%3A1%3A10%3A10%3A1&jumpId=497774
http://www.readersplanet.de/eBook/797859/Wandlerin-zwischen-den-Welten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>